Mein Weg zur Zucht

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Tatsächlich wird man nicht über Nacht zum Hundezüchter. Eh es bei uns soweit war, hat es 1 1/2 Jahre an Vorbereitungszeit gebraucht. Damals war alles sehr viel, kompliziert und verwirrend. Manchmal so verwirrend, dass es vielleicht den ein oder anderen abschreckt, die Zucht so gewissenhaft aufzubauen, wie es sein sollte.

 

Ich möchte mit diesem Beitrag ein wenig Licht ins Dunkel bringen und so den ein oder anderen dazu motivieren, es alles so in die Hand zu nehmen, wie man es sollte.

Grundsätzlich geht mit dem Gedanken an die Zucht auch der wichtigste Gedanke einher. Nämlich ob mein Hund überhaupt zur Zucht geeignet ist. Bevor man sich hier jedoch an die gesundheitlichen Aspekte wagt, muss man sich den Charakter des Hundes betrachten. Diese spielt nämlich tatsächlich eine große Rolle. Der Charakter sollte wesensfest sein, das bedeutet man sollte nie mit einem Angsthund in die Zucht gehen. Dabei spielt es auch keine Rolle ob es um die Zuchthündin oder einen Deckrüden geht. Gewisse Charakterzüge werden von Beiden Hunden an die Welpen weiter vererbt. Man möchte ja schließlich dann keine ängstlichen Welpen in der Wurfbox sitzen haben, die vor allem und jedem Angst haben.

 

Genau so verhält sich der Gedanke auch an Aggressivität, Hyperaktiviät oder Charakterzügen, die für die jeweilige Rasse vielleicht einfach nicht passen.

 

Da spreche ich nun zum Bespiel von einer jagdlichen Dackelzucht mit einer Hündin, die nicht selbstständig Entscheidungen treffen kann oder einem Aussie, der die Schafe lieber fressen würde als sie zu hüten, jetzt mal ein bisschen übertrieben dargestellt.

 

Was mir also klar sein muss, um es auf den Punkt zu bringen. Würde eine Zucht meines Hundes, wesensfeste und charakterstarke Hunde hervorbringen, die meinem Zuchtziel entsprechen? Wenn ja, umso besser. Wenn nein, dann muss ich für die Zucht erst den geeigneten Hund finden, der das erfüllt.

Halstuch von @strandhausdogs

Unser nächster Schritt war es, einen geeigneten Verein zu finden. Da Virginia ein Amerikanischer Dackel ist, die im VDH nicht anerkannt sind, war klar, dass es ein freier Verein werden würde. Uns war wichtig, dass dort die Bestimmungen klar geregelt sind und von der Strenge her denen des VDHs nahe kommen.

 

Da wir allerdings in Coronazeiten gestartet haben und ich selbst ungern auf große Ausstellungen wollte, wollte ich einen Verein, bei dem die Zuchtzulassung von einem Zuchtwart oder einem befugten Tierart einzeln durchgeführt wird. Wir haben unseren Verein dann gefunden und sind bisher sehr zufrieden im VRZ-DHS.

 

Dort muss man dann zum einen die Mitgliedschaft beantragen und den Zwingernamen schützen lassen. Für den Zwingerschutz zahlt man einmalig, den Mitgliedsbeitrag jährlich. Somit ist unser Zwingername

"vom vollbeshepherden Rudel" geschütz.

Über den jeweiligen Verein bek0mmt man dann die gewissen Formulare. Zum Beispiel den Deckschein, den Wurfmeldeschein oder auch die Untersuchungspapiere für die Zuchtzulassung.

 

Je nach Verein wird auch festgelegt, ab wann ein Hund das zuchtfähige Alter erreicht hat. Das sind bei unserem beim Rüden die 12 Monate und bei der Hündin die 15 Monate. Tatsächlich finde ich das etwas zu früh und daher sind unsere Hündinnen zwar bei ihrer Zuchtzulassung erst etwa 16 Monate, aber beim Deckakt mindestens 20 Monate alt. Virginia hat ihren ersten Wurf zum Beispiel mit fast 24 Monaten bekommen und Missouri ihren jetzt mit fast 23 Monaten.

 

Beim Rüden haben wir ebenfalls geschaut, dann er schon ein wenig älter ist, als 12 Monate, denn ich finde ein Zuchthund muss auch reif genug sein, um das auch an seine Nachkommen weiter zu geben. 

Die Zuchtzulassung besteht bei uns aus einer allgemeinen Untersuchung und Beurteilung des Hundes, sowie einer Patella-Untersuchung und einem Gentest.

 

Wir lassen die Untersuchungen bei unserem Tierarzt machen. Ich hatte ursprünglich eine Zuchtwärtin gefragt, die nur 45min entfernt wohnt, allerdings hatte diese kein Interesse daran und deshalb lasse ich nun alle in unserer kleinen Tierklinik machen. Da unser Tierarzt dazu befugt ist, gibt es hier auch keine Probleme.

 

Was alles untersucht wird, seht ihr auf den folgenden beiden Bildern. Das sind dann auch die offiziellen Formulare vom Verein, die ausgefüllt werden. Direkt hier mit dabei ist auch die Patella-Untersuchung, die sowieso beim Tierarzt durchgeführt werden muss.

Die Gen-Untersuchungen die dann gemacht werden, beantrage ich immer direkt selbst und nehm dann alles mit zum Tierarzt. So hab ich direkt alles in einem Aufwasch erledigt. Dazu wird dem Hund ein wenig Blut abgenommen und unser Tierarzt ist so lieb und schickt gleich alles für uns ins Labor.

 

Da das DNA-Profil in unserem Verein verpflichtend von Laboklin durchgeführt werden muss, lasse ich direkt alles da untersuchen. Das schöne ist, dass man sich als Mitglied in einem Zuchtverein, also als Züchter, direkt ein eigenes Konto dort anlegen kann. Damit bekommt man auf einige Untersuchungen, dank des Nachweises mit dem Mitgliedsausweis des Vereins, auch einige Rabatte.

 

Bei Laboklin gibt es für den Dackel ein Paket, welches direkt alle typischen Erbkrankheiten dieser Rasse abdeckt. Da spart man dann auch nochmal einiges, als wenn man alles einzeln buchen würde. Zu diesem Paket gehören:

 

Glasknochenkrankheit
Cone-rod Dystrophie 1 (cord1-PRA)
Progressive Retinaatrophie (crd-PRA)
Neuronale Ceroid Lipofuszinose

 

Des Weiteren lasse ich das wie bereits erwähnte DNA-Profil erstellen, was im Verein für jeden Zuchthund Pflicht ist und einen Merletest, der für mich eine absolute Voraussetzung ist.

 

Hier hab ich mal für euch Missouris Ergebnisse aus dem Labor:

Nun hab ich meine uneingeschränkt zuchtfähige Hündin. Das ist erstmal alles recht viel, aber wenn man alles einmal gemacht hat, ist es gar nicht mehr so schwer.

 

Bevor es nun also soweit ist, beginnt die Suche nach einem geeigneten Deckrüden. Dieser sollte genauso wie die Hündin all diese Untersuchungen haben, Augenmerk auch auf den Merletest legen, wenn man mit einer Rasse züchtet, die Merleträger sein kann.

 

Den passenden Deckrüden zu finden ist tatsächlich manchmal gar nicht so leicht und deshalb rate ich immer, beginnt früh genug mit der Suche, damit ihr am Ende nicht ohne da steht oder einfach irgendeinen nehmt. Das Wesen des Rüden muss zu eurem Zuchtziel passen, so wie auch das Aussehen und die Gesundheit natürlich.

 

Passt hier auch auf, dass ihr einen Besitzer habt, der dann im Ernstfall auch kurzfristig Zeit für euch hat. Denn da sind wir auch schon auf die Nase gefallen. 

Hundeloop von @miss.monalu

Wird eure Hündin nun läufig und der Weg zum Rüden ist etwas länger, so geht man am Tag 8 der Läufigkeit das erste Mal zum Progesterontest. Achtet hierbei darauf, dass euer Tierarzt mit diesem Test vertraut ist, denn nur bei richtigen Kenntnissen, ermittelt ihr den richtigen Deckzeitpunkt. Der Wert zum Decken liegt etwa zwischen 5-8, dann sollte man zum Rüden fahren und ihn decken lassen. Wir wiederholen den Deckvorgang immer nach 24h und sind damit immer recht gut gefahren bisher. In den meisten Lehrbüchern steht allerdings, man sollte nach 48h nachdecken lassen. Eine gute Züchterkollegin sagt z.B. das zweite Decken wäre für das Gewissen. Ganz unrecht hat sie nicht, denn im Regelfall klappt es bereits beim ersten Mal, wenn der Deckzeitpunkt genau bestimmt wurde.

 

Zum Rüden mitnehmen müsst ihr den Deckschein, den zeig ich euch gleich. Vom Rüden mitnehmen müsst ihr dann Kopien von der Ahnentafel, der Zuchtzulassung, allen Untersuchungen und im besten Fall immer eine Rechnung für die geleistete Decktaxe. Lasst euch bei dieser nicht übers Ohr hauen. Ich kenne einige, die wollen einen vollen Welpenpreis, aber bedenkt, dass eine Hündin leer bleiben kann oder nur einen oder wenige Welpen bekommen kann und ihr dann viel mehr Ausgaben habt und euch mit dem Wurf weit ins Minus werft, denn gerade bei Einlingsgeburten sind Kaiserschnitte an der Tagesordnung und diese kosten viel.

Wie es nach dem Deckakt nun weitergeht, das verfasse ich für euch in einem gesonderten Blogeintrag, denn das würde den Rahmen sprengen.

 

Auf jeden Fall wollte ich euch noch zwei rechtliche Sachen mit auf den Weg geben. Das ist zum einen die Sache mit dem Sachkundenachweis und zum anderen die mit dem Veterinäramt. Im Internet findet man dazu oft sehr unterschiedliche Aussagen und deshalb will ich hier ein bisschen Licht ins Dunkel bringen.

 

Beides braucht ihr erst, wenn ihr mehr als drei Hündinnen haltet oder mehr als drei Würfe im Jahr habt. Rüden zählen nicht und kastrierte Hündinnen auch nicht. Was den Sachkundenachweis betrifft, rate ich dennoch immer dazu. Dieser ist etwas kostenintensiv, aber unheimlich lehrreich und wie ich finde wichtig. Ich kann den in Potsdam nur empfehlen, denn er wird deutschlandweit anerkannt.

 

Wenn ihr nun mehr als drei Hündinnen habt oder mehr als drei Würfe im Jahr (was ich mit drei Hündinnen schwierig finde und mich immer noch frage, wie das gehen soll), dann braucht ihr sowohl den Sachkundenachweis, als auch eine Abnahme der Haltungseinrichtung eurer Zucht und eine Genehmigung für eure Zucht. Sowohl die Abnahme der Haltungseinrichtung, als auch die Zuchtgenehmigung müsst ihr bei eurem zuständigen Veterinäramt beantragen. Jedes Veterinäramt hat da auch tatsächlich seine ganz eigenen Regeln.

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