Transparenz macht angreifbar

Die meisten erwarten von einer guten Hundezucht, Transparenz zu zeigen. Die Aufzucht der Welpen, den Umgang mit den eignen Hunden. Auch die Tiefen wollen neben den schönen Momenten nicht vergessen werden.

 

Ich kann allerdings verstehen, wieso sich so viele Züchter bedeckter halten, als wir es tun. Schon zu oft wurden wir für etwas verurteilt. Uns wurde schlecht nachgeredet und das meistens still und heimlich, aber niemals privat oder von Gesicht zu Gesicht, wo man sich verteidigen kann. Aber nicht nur bei der Zucht ist das ein großes Thema, grundsätzlich in den Sozialen Medien hat man es nicht immer leicht.

 

Verhält man sich ruhig und ist immer brav, dann wird man schnell uninteressant. Macht man allerdings einen Fehler oder spricht unschöne Dinge an, dann kommen sie aus den tiefsten Tiefen gekrochen. Menschen, die du vorher noch nie gesehen hast, von dessen Profil du auf deiner Seite noch nie gehört hast. Aber plötzlich ist man Gesprächsthema Nummer eins. Solange, bis jemand anders interessanter wird.

 

Nur stellt sich mir die Frage, was die Leute eigentlich erwarten, denn wo Licht ist, da ist auch Schatten. Ich glaube keiner kann behaupten, dass Leben ist immer rosa rot.

Das Problem daran ist, dass hinter jedem Profil, hinter jeder Seite, auch ein Mensch steht, der Gefühle hat. Wir wissen oftmals nicht, was dieser Mensch zuvor erlebt hat, wie es ihm geht und was ihn bewegt. Dennoch sind wir immer so schnell damit, uns Urteile zu erlauben, über eben diesen Menschen hinter dem Profil, von dem wir so gar nichts wissen.

 

Selten nehmen wir uns die Zeit, wirklich nachzufragen. Ruhig, sachlich und am besten persönlich. Ganz oft erfahren wir so die Gründe und Geschichten, die diese Menschen bewegen. Vielleicht gelingt es uns so ja, diese Menschen mit den echten Gefühlen auch besser zu verstehen.

Wieso ich diesen Blogeintrag schreibe, ist ganz einfach. Auch wir, besonders ich und unsere Zucht wurden schon öfter verletzt. Ungewollt war man mit dem Teilen eines Beitrages zu schnell oder man hat einfach die falschen Worte gewählt. Es ist nicht immer leicht, in Geschriebenem das wiederzugeben, was man vielleicht in Wirklichkeit auszudrücken vermag.

 

Wir sind, wie ich finde, immer offen und ehrlich. Das beinhaltet die schönen Dinge, aber auch weniger schöne Dinge. Welches Leben ist schon immer perfekt? Ich denke keins ist das, aber dennoch wird bei negativen Themen immer viel mehr Wind gemacht, als bei positiven.

 

Ich möchte mich nicht verstellen, nur weil es einigen nicht gefällt, dass ich ehrlich bin. So oft schon habe ich überlegt, einige Themen gar nicht erst anzusprechen oder aufzuschreiben. Aber es fühlt sich nicht nach mir an, diese Themen ungeschrieben zu lassen.

Schon damals vor nun fast 3 Jahren, als ich das erste Mal bekannt gegeben habe, dass wir uns nun für die Zucht mit den Dackeln interessieren, wurde dieser Beitrag auf Instagram so oft angeklickt, wie fast kein anderer zuvor. Damals wurde mir der Satz zum Verhängnis, der eigentlich grade das richtige ausdrücken sollte.
Ich schrieb damals: „Wir wollen züchten, aber mit allem drum und dran.“
Der Satz sollte eigentlich dafür stehen, dass wir alles richtig machen wollten. Er sollte für eine liebevolle Zucht stehen, die mit Papieren, Untersuchungen, Verantwortung, wohl überlegt und mit Liebe aufgezogen werden sollte. Diese Gedanken kamen nicht plötzlich und waren so dahin geschrieben. Natürlich hatte ich mir vorher den Kopf über dieses Thema zerbrochen. Die Leute fassten es aber ganz anders auf. Nie hatte ich vorher darüber gesprochen oder geschrieben, daher wurde uns wer weiß was alles nachgesagt. Wir wöllten nur mal Welpen, etwas Geld dazu verdienen, mal Züchter spielen, die Hündin soll mal Mama werden, wir hätten eine Schnapsidee und vieles mehr…
Die nächsten zwei ebenfalls sehr schwerwiegenden Vergehen, die uns vorgeworfen wurden (was ich bis heute nicht verstehe) waren, dass wir es teilten, als die angedachten Deckrüden nicht in unsere Zucht kamen. Bei Delli durch die CDA und bei Arno durch die Patella-Luxation. Wieso sollte ich so Etwas denn nicht teilen? Ich war der Meinung, es spräche für uns, dass wir selektieren und erkrankte Hunde oder Hunde, die für kranke Nachkommen sorgen könnten, aus der Zucht nehmen bzw. nicht erst in die Zucht aufnehmen.
Ich wollte mit diesen Posts niemals jemandem was schlechtes. Hätte ich das gewollt, dann hätte ich Namen genannt, die Züchter oder Zuchtstätten direkt benannt und angesprochen.
Für mich gehören diese Dinge zu unserem Alltag und der Zucht dazu. Ich zeige euch niedliche Welpenvideos, aber eben auch die Verantwortung die ich trage, damit die Welpen in diesen Videos gesund sind.
Das waren die extremsten Fälle, viele weitere kleine gab es natürlich auch noch.
Wir leben leider mitlerweile in einer Welt, in der wir darauf achten müssen, wie offen wir etwas kommunizieren. Selbst ich zeige heute auch nicht mehr alles und soviel wie noch vor 5 Jahren. Einfach aus der Angst heraus, wieder in ein Fettnäpfchen zu treten.
Mit privaten Fragen oder Anregungen kann man in der Regel gut umgehen, aber mit öffentlichen Kommentaren und Kommentaren unter anderen Kommentaren, die durchaus unter der Gürtellienie liegen, damit kann ich schwer umgehen. Selbst ein Like solcher Kommentare tut mir weh. Denn ja, auch wenn ich nicht auf diese Kommentare eingehe, ich lese sie und ich sehe, wer soetwas unterstützt.
Was aber tatsächlich das Schlimmste für mich ist, das sind heimliche Storys die irgendwo auf Seiten veröffentlich werden, von denen man vielleicht sogar blockiert wurde. Das ist nicht nur emotional aufwühlend, sondern in den meisten Fällen Ruf schädigend. Die Menschen, die so Etwas sehen, die kennen einen nicht, wissen nichts von einem, außer vielleicht dieser Story, die sie da über einen sehen. Wie wir Menschen halt so sind, sind wir oft leichtgläubig und vertrauen diesen Dingen.
Es sind nicht nur Hobbys oder Leidenschaften, die dadurch kaputt gehen können. Es sind auch Nebeneinkommen, Images und in einigen Fällen sogar Existenzen.
Natürlich kann man nicht immer einer Meinung sein, die selben Überzeugungen teilen oder alles gut heißen. Das solltet ihr auch nicht. Aber haltet kurz inne, sammelt euch, überlegt vorher und dann sprecht die Leute vielleicht einfach privat an. Fragt nach und bildet euer Urteil erst, wenn ihr alles wisst. Versucht euch, in die Menschen hineinzuversetzten und denkt dran. Alle haben Gefühle, so wie ihr auch.
Vermutlich werden diesen Blogeintrag eher nur die von euch lesen, die eine ähnliche Auffassung davon haben, aber dennoch wollte dieses Thema angesprochen werden. Selbst wenn es nur einen zum umdenken bringt, war es das wert.
Wenn ihr weiterhin Transparenz wollt, dann seid auch offen für diese.
Kommentare: 2
  • #2

    Romina Bierbaum (Sonntag, 03 Dezember 2023 11:29)

    Wie viel liebe kann man geben! Anerkennung bekommt man umsonst, Neid muss man sich verdienen! Und wer wegen solcher Dinge verurteilt der schafft es nicht bei sich selbst zu bleiben! Ihr macht das so toll! Ich wäre Dankbar einen von euren Welpen bald unser zu nennen.
    Man kann es nur anerkennen und wertschätzen was ihr tut, aber wenn die kognitiven Fähigkeiten fehlen, dann muss man so Resilient sein das hin zu nehmen, sonst geht es einem nur selber schlecht. Diese Verteilung von Ungleichheit ist einfach immer präsent, daran kann man nichts machen leider.

  • #1

    Maren (Montag, 19 Juni 2023 22:04)

    Macht weiter so. Man kann es nicht jedem Recht machen, denn meistens ist es Unwissenheit und Desinteresse am wirklichen Hintergrund.